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Die Kritik an der WM in Katar 2022 - eine Bestandsaufnahme

Artikel von unserer Redakteurin Emilia


Es wurde bisher wahrscheinlich an keiner anderen Weltmeisterschaft so viel Kritik geäußert, wie an der Fussball WM 2022 in Katar. Aufgrund der Feindlichkeit gegenüber Frauen und Homosexuellen, der Missachtung vieler Menschenrechte und des mangelnden Fußballinteresses stellt sich die Frage, ob Katar überhaupt ein rechtmäßiges Austragungsland der WM ist.


Dass die Austragung der 22.Fußball-Weltmeisterschaft in Katar stattfindet, entschied der Weltfußballverband FIFA bereits im März 2010. Schon damals wurde viel Kritik an der WM-Vergabe geäußert, unter anderem auch, weil Katar keine Fußballtradition hat und keine Stadien oder sonstige Infrastruktur besaß, um große Fußballspiele zu veranstalten.

Für den Bau dieser Anlagen wurden viele ausländische Arbeiter/innen angeworben, die für sehr wenig Geld und unter schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen hart und lange arbeiten mussten. Im Februar 2021 schrieb die britische Tageszeitung The Guardian von über 6500 toten Arbeitsmigranten seit der WM Vergabe. Insgesamt wurden 100.000 Arbeiter/innen nach Katar gebracht, unter anderem aus Nepal, Indien und Pakistan, die dort unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten. Innerhalb von sieben Jahren wurden sechs Stadien erbaut und zwei Stadien aufwändig renoviert.

Nicht für alle Menschen in Katar gelten die gleichen Rechte. Vor allem Frauen, Homosexuelle und ausländische Arbeiter/innen werden diskriminiert und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Homosexuelle Handlungen sind in Katar verboten und können mit bis zu sieben Jahren Haft bestraft werden. Während der FIFA-Präsident Gianni Infantino versichert, ,,jeder werde sehen, dass jeder in Katar willkommen ist, auch wenn wir über LGBTQ+ sprechen’’, bezeichnet der WM-Botschafter Katars Homosexualität als einen ,,geistigen Schaden”. Auch Frauenrechte werden in Katar durch den männlichen Vormund sehr stark eingeschränkt. Frauen müssen ihren männlichen Vormund bei vielen Entscheidungen um Erlaubnis fragen und haben nur wenig Selbstbestimmung.

Zum ersten Mal findet eine Fußball-Weltmeisterschaft im Winter statt und auch diese Entscheidung stieß vor allem bei Fußballfans zuerst auf Unverständnis.

Katar liegt am Persischen Golf und im Sommer werden dort Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius erreicht, was das Fußballspielen unmöglich machen würde. Außerdem wollte man eine Überschneidung mit dem heiligen Monat Ramadan vermeiden, bei dem es für Muslime verboten ist, während der Fastenzeit tagsüber in der Öffentlichkeit zu essen oder zu trinken.

Doch obwohl die WM im Winter stattfindet, müssen die Stadien in Katar aufwändig klimatisiert werden. Das hört sich erstmal sehr klimaschädlich an, trotzdem soll die Weltmeisterschaft in Katar die erste klimaneutrale WM jemals sein, das behaupten zumindest die WM-Organisatoren in Katar. Kritiker sprechen allerdings von Greenwashing und behaupten, dass durch die Pendelflüge, den Bau der Stadien und die Nutzung der Klimaanlagen zu viele Emissionen produziert werden und die WM keinesfalls als klimaneutral vermarktet werden sollte.


Es stellt sich nun die Frage, was mit den acht Stadien in Katar nach der WM passieren soll. Das Stadion in Doha, 974, wird bereits abgebaut und mindestens zwei weitere Stadien sollen verkleinert werden. Die Pläne für die restlichen Stadien sind noch nicht konkret, trotzdem gibt es viele Ideen die Stadien in Schulen, Einkaufszentren oder medizinische Institutionen umzubauen.


Ein Boykott der WM stand mehrmals zur Debatte, doch in einer Stellungnahme des DFB hieß es, man wolle keinen Boykott anstreben und sich stattdessen zurückhalten. Die Vergabe der WM nach Katar sei kritisch und problematisch, aber ein Verzicht auf die Teilnahme sei nicht zielführend. Vielmehr solle sich die FIFA zur Achtung der Menschenrechte bekennen. Eine klare Stellungnahme diesbezüglich kam von der FIFA allerdings bis heute nicht und es bleibt fraglich, ob sich die Praktiken der FIFA jemals ändern werden.

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