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  • Schülerzeitung

Studio Ghibli – eine unterschätzte Kunstform

Artikel von unserer Autorin Isabel Korus


Was ist Kunst? – Unter Kunst ist auf der einfachsten Ebene ein Ausdruck von persönlicher Kreativität zu verstehen, welcher viele Menschen auf eine besondere Art und Weise bewegt. Dennoch hat sich besonders in unserer westlichen Welt über die letzten Jahrhunderte ein recht steifes Kunstverständnis etabliert, was von den „klassischen“ Epochen der Kunstgeschichte, wie Barock, Romantik oder der Renaissance, geprägt ist.


In unserer Epoche der „modernen“ Kunst wird genau dieses steife Kunstverständnis ständig in Frage gestellt. Deshalb hat man besonders im 21. Jahrhundert eine Veränderung des Verständnisses erleben können, was dazu führte, dass auch andere gestalterische Bereiche die Möglichkeit hatten, Anerkennung als legitime Kunstform erlangen. Ein gutes Beispiel dafür, welches mir sehr am Herzen liegt, ist Animation.

Was meiner Ansicht nach Animation als Kunstform hervorhebt, ist, dass es ein grundlegend anderes Medium darstellt. Dies lässt sich bereits in diversen Kinderserien wie Spongebob, Cosmo & Wanda oder auch Chi-Rho erkennen, da diese Serien beweisen, dass den Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen, keine Grenzen gesetzt sind, eben weil sie animiert sind.


Darüber hinaus hat Animation besonders auf Videoplattformen wie YouTube Fuß gefasst, da viele Künstler das Medium nutzen, um ihren Geschichten eine fantasievollere Grundlage zu geben und schnell einem großen Publikum zugänglich und bekannt zu machen. Sehr erfolgreiche Beispiele wären theOdd1sout oder auch Jaidenanimations, die beide eine Millionenreichweite besitzen und damit beweisen, dass Animation einen festen Platz im Entertainment hat.


Was aber auffällt, ist, dass ein Großteil der bekannten und populären Animationen recht eurozentriert ist, weshalb ich nun auf eine, meiner Meinung nach, sehr unterschätzte Art der Animation aufmerksam machen möchte: Anime. Genauer gesagt die Filme des Animation-Studios Studio Ghibli. Nach meinem persönlichen Kunstverständnis sind sie der Inbegriff von Kunst; von etwas, was einen auf einer ungewohnten Ebene mitnimmt; was einen wahrlich berührt.


Studio Ghibli Inc. wurde 1985 von den Zeichnern und Intendanten Miyazaki Hayao und Takahata Isao und dem Produzenten Toshio Suzuki in Tokyo, Japan, gegründet, wo sie bis heute ihren Hauptsitz haben. Innerhalb ihres 37-jährigen Bestehens hat das Studio insgesamt 24 animierte Filme veröffentlicht, wobei die erfolgreichsten, wie „Das wandernde Schloss“, „Chihiros Reise ins Zauberland“ oder „Mein Nachbar Totoro“, fast ausschließlich von Miyazaki geschrieben und dirigiert wurden. Für lange Zeit waren diese Filme hauptsächlich im asiatischen Raum bekannt, da der Versuch, einen der ersten Filme („Nausicaä of the Valley of the Wind“) im westlichen Markt einzuführen, damit endete, dass der Film unsinnig geschnitten und zudem schlecht synchronisiert wurde. Das machte ihn praktisch nicht ansehbar. Nach diesem fehlgeschlagenen Debüt wurde innerhalb des Studios entschieden, weitere Filme nur noch für den heimischen Markt zu produzieren. Dies hielt an, bis das Studio 1999 einen seiner erfolgreichsten Filme überhaupt veröffentlichte, „Prinzessin Mononoke“, der es dann endlich auch auf den westlichen Markt schaffte.


Ihr nächster Film, „Chihiros Reise ins Zauberland“ (auf engl. „Spirited Away“), war schließlich der Wendepunkt, der das Studio zu einer Größe der Animationswelt machte. Nach jahrelangem Erfolg und großer Anerkennung in Japan etablierte der Film Studio Ghibli im Jahre 2001 dann endgültig auf der internationalen Bühne: erstens mit dem Oscar für best animated feature („bester animierter Film“) und zweitens mit dem Goldenen Bär des Berliner Film Festivals. Nach diesen Auszeichnungen folgten noch ein Dutzend weiterer, überwiegend erfolgreiche und besonders populäre Filme. Sie stellen in beeindruckender Weise unter Beweis, dass Studio Ghibli Quantität und Qualität verbindet.


Bei all diesen Filmen finde ich es persönlich interessant, dass man, abgesehen von einem gemeinsamen künstlerischen Stil, erkennen kann, ob sie von Miyazaki geschrieben bzw. dirigiert wurden, da in seiner Arbeit gewisse Themen immer wieder vorzufinden sind.

Beispielsweise taucht der Konflikt zwischen dem technologischen Fortschritt des Menschen und dem zarten Gleichgewicht der Natur häufig auf, wobei in den Filmen immer für den Naturschutz Stellung bezogen wird. Ein weiteres wiederkehrendes Thema ist der bemannte Flug, der beispielsweise in „Porco Rosso“ oder auch in „Das wandernde Schloss“ wiederzufinden ist. Dieses Thema lässt sich auf Miyazakis familiären Haushalt und Kindheit zurückführen, da sein Vater Luftfahrtingenieur war und ihm somit die gleiche Leidenschaft weitergab.


Darüber hinaus sind Miyazakis Filme oft von jungen Protagonistinnen geprägt, die im Laufe des Filmes an den Konflikten und Hürden ihres Lebens wachsen und sie zum Schluss meistern bzw. überwinden können. Sie zeichnen sich auch durch Durchhaltevermögen, Zielstrebigkeit und tiefe Empathie aus - Eigenschaften, die ihnen in ihren Abenteuern helfen und gleichzeitig die Geschichten besonders ermutigend wirken lassen.


Um den Eindruck von den Werken des Studio Ghibli zu vervollständigen, finde ich es wichtig, die Behaglichkeit anzusprechen, die die Filme auslösen. Dies gilt zwar nicht für alle Filme, da manche sich auch mit schwereren Themen auseinandersetzen, aber ein Großteil ist von einem gewissen Wohlfühl-Faktor geprägt. Meist setzt sich der Effekt aus einer Mischung aus klagvollen Filmmusiken (z.B. Mary-go-round of life), ästhetischen Animationen und einer gewissen Zärtlichkeit in den dargestellten zwischenmenschlichen Beziehungen zusammen. In ihrem Zusammenspiel lassen sie die Filme zu etwas einzigartig Bewegendem werden, was meiner Meinung nach sehr viel mehr Menschen erreichen sollte.


Quellen:

https://www.vectornator.io/blog/studio-ghibli/#:~:text=Studio%20Ghibli%20was%20founded%20in,carry%20on%20throughout%20their%20careers

https://www.britannica.com/topic/Studio-Ghibli

https://en.wikipedia.org/wiki/Studio_Ghibli#Feature_films

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