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Interview mit unserem Schulleiter

Das Interview führten unsere Redakteurinnen Sidney Enders und Jacqueline Bremer.


Wir haben mit Herrn Frings ein Interview geführt und die letzten vier Jahre Revue passieren lassen.

 

SZ: Haben Sie sich gut eingelebt bzw. wie lange hat es gedauert, bis Sie sich am Sebastian-Münster-Gymnasium wohlgefühlt haben?

 

HF: Ich habe mich sehr gut eingelebt und bin sehr glücklich hier. Der Einlebungsprozess war coronabedingt ein anderer als erwartet. Der Lockdown kam etwa fünf Monaten nach meinem Start am SMG. Ich bin sehr dankbar, dass ich wenigstens diese kurze Zeitspanne hatte, um die Strukturen im Normalzustand kennenzulernen.

Dennoch war ich zu Beginn des Lockdowns, der einen für Schulen noch nie dagewesenen Krisenzustand darstellte, noch nicht vollständig eingearbeitet. Seit dem letzten Schuljahr ist nun Normalität und Alltag eingekehrt. Letztes Jahr durfte ich dann auch die letzten Events kennenlernen, die ich coronabedingt noch nicht erlebt hatte.

 

 

SZ: Was hat sie dazu bewogen, vor vier Jahren die Position als Schuldirektors anzunehmen und wie hat sich Ihre Sichtweise auf die Rolle in der Zeit verändert?

 

HF: Nach meinen ersten Jahren im Schuldienst als Fachlehrer für Mathematik, Französisch und Latein übernahm ich relativ schnell weitere Aufgaben an meiner damaligen Schule wie z.B. Verbindungslehrer, Leitung des Frankreichaustausches oder die Mitarbeit in der Steuergruppe Schulentwicklung. Dann wechselte ich die Schule und wurde Mitglied in der Schulleitung mit den Funktionen Mittelstufenleitung, GTS-Leitung und Ausbildungsleitung. In dieser Zeit war ich auch externer Teamleiter der damaligen AQS, einer Agentur für Qualitätssicherung von Unterricht und Schulen. Wenige Jahre später kehrte ich zurück an meine erste Schule und wurde dort MSS-Leiter. Relativ zeitgleich verließ ich die AQS und wechselte ins ZfS, dem Zentrum für Schulleitung, um dort Fortbildungen und Beratungen für Schulleitungsmitglieder durchzuführen. Die Bewerbung auf eine Schulleiterstelle war hier der logische letzte Schritt. Ich bin sehr dankbar, dass es gleich bei der ersten Bewerbung geklappt hat und dass es eine so tolle Schule wie das SMG geworden ist.

Meine Sichtweise auf Schulleitung hat sich in der Zwischenzeit nicht verändert. Es ist ein sehr, sehr herausfordernder Job, aber auch ein sehr schöner, wichtiger und abwechslungsreicher.

 

SZ: Welche Ziele haben Sie sich in den letzten Jahren gesetzt und inwieweit haben Sie diese erreicht?

 

HF: Als ich kam, hatte ich das Gefühl, dass die Stimmung sehr gut und der Professionalisierungsgrad auf fast allen Ebenen bereits sehr hoch war und dass die Schulgemeinschaft „Schule Miteinander Gestalten“ nicht nur als Floskel verwendet, sondern wirklich lebt.

Ein großes Ziel war es somit, dieses Klima und diese gute Qualität des Unterrichts zu erhalten. Guter Unterricht ist nur mit guten Lehrkräften möglich. Daher achten wir auch insbesondere bei der Neueinstellung darauf, dass nicht nur die Noten gut sind, sondern auch soziale Kompetenzen stark ausgeprägt sind und die Haltung stimmt. So können wir Lehrkräfte gewinnen, die Freude an der Arbeit haben und überdurchschnittlich motiviert sind. Dass wir hier sehr selbstbewusst auftreten können bei der Personalakquise liegt an der Lage des SMG und insbesondere auch an dem guten Ruf der Schule.

Ein riesiges Projekt war die Pilotschule des Landkreises für offenes Lernen in erweiterten Lernräumen. Die Schule wurde an verschiedenen Stellen umgebaut, um innovative Lehrformen wie offeneres und freieres Arbeiten zu ermöglichen. Zunächst coronabedingt kamen die iPads dazu. Mittlerweile ist das SMG per Gesamtkonferenzbeschluss iPad-Schule.


In den letzten Sommerferien haben wir in allen Unterrichtsräumen neue Beamer und Projektionsflächen erhalten. Apple-TV hatten wir bereits seit ein paar Jahren in allen Unterrichtsräumen.

Neben den Großprojekten Offenes Lernen und Digitalisierung hat das SMG natürlich seine große Bandbreite und Vielfalt wie z.B.  Nachhaltige Schule, Streitschlichtung, Mediation und Medienscouts erhalten und ausgebaut.

Ich hoffe, dass die Schülerinnen und Schüler wahrnehmen, welch breites Spektrum an Angeboten und Wahlmöglichkeiten sie am SMG haben. Ein wichtiges Ziel ist es, dass unsere Schülerinnen und Schüler spüren, dass sie eine gute Ausbildung bekommen und sich am SMG wohlfühlen. Das SMG ist für seine Schülerinnen und Schüler da, ohne die wir keine Daseinsberechtigung hätten.

 

 

SZ: Was würden Sie als größte Herausforderung der letzten Jahre beschreiben und wie haben Sie diese bewältigt?

 

HF: Da Corona schon etwas zurückliegt, habe ich natürlich auch einige andere Herausforderungen erlebt, aber die größte Herausforderung war dann doch die Corona-Pandemie. Bewältigt haben wir alles gemeinsam durch einen sehr engen Draht mit der Schülervertretung, mit dem Schulelternbeirat, dem Personalrat und natürlich v.a. auch dem Kollegium. Wir waren viel im Gespräch, haben viel kommuniziert und waren stets darum bemüht, die Homepage tagesaktuell zu halten. Wir wollten alle gemeinsam, so viel wie möglich, die Schule öffnen, ohne eure Gesundheit zu gefährden. Natürlich wurde viel vorgegeben seitens der vorgesetzten Behörden und wir mussten diese Vorgaben umsetzten.

Wir waren aber auch stets eigeninitiativ und innovativ. So wurde zum Beispiel bereits in den Osterferien 2020, also eine Woche nach Beginn des ersten Lockdowns, Teams für alle ausgerollt, sodass wir sehr schnell eine tragfähige Software hatten für digitalen Unterricht. Ohne die Unterstützung von allen Seiten hätten wir diese Zeit nicht so gut überstanden; alleine hätte ich das nie geschafft.

 

 

SZ: Haben Sie es geschafft, einen Ausgleich zwischen den Verpflichtungen eines Schuldirektors und Ihrem persönlichen Leben herzustellen und wenn ja, wie?

 

HF: Also ich würde sagen, die ersten zwei bis drei Jahren gab es wenig Ausgleich, aber das war auch eine besondere Situation und hier war ich auf Grund meines Amtes besonders gefordert. Seit dem letzten Jahr versuche ich, eine bessere Balance zu finden, allerdings bin ich hier eher auf dem Weg als schon am Ziel. Da ich aber noch über 20 Jahre arbeiten muss und viele sagen, dass im Alter die Kräfte nachlassen, sollten die nächsten zwei Jahrzehnte nicht so werden wie die letzten vier Jahre (schmunzeln).

 

 

SZ: Welcher Teil Ihrer Arbeit macht Ihnen besonders Spaß?

 

HF: Eigentlich ganz viel. Also ich gehe sehr gerne in meinen eigenen Unterricht und ich besuche gerne den Unterricht der Lehrkräfte in allen Fächern. Sehr gerne führe ich Gespräche mit Schülerinnen und Schülern, wie jetzt gerade mit euch. Ich arbeite gerne mit der SV zusammen und auch mit dem Schulelternbeirat. Ich spreche gerne mit Lehrkräften über Fragen, Wünsche und Probleme und organisiere auch gerne. Gemeinsam mit Herrn Dickert mache ich die Stundenpläne und den Personaleinsatz und wir überlegen gemeinsam, welche Lehrkräfte das SMG künftig braucht.  

Auch wenn ich vieles gerne mache, gibt es natürlich auch Dinge, die ich weniger gerne mache. Dazu gehört v.a. die Berichterstattung an vorgesetzte Behörden, wenn alles bereits geplant ist und läuft. Ich verstehe die Sinnhaftigkeit dieser Statistiken und Berichte mit Blick auf die Gesamtsituation in Rheinland-Pfalz, aber das macht mir weniger Freude.  

 

 

SZ: Gab es einen bestimmten Moment oder ein besonderes Ereignis, welches Sie besonders beeinflusst hat?

 

HF: Natürlich war Corona eine Krise und Herausforderung, aber es hat mich nicht nachhaltig geprägt, da ich noch derselbe Mensch bin wie zuvor. Eine Herausforderung ist eher die Summe der Mosaiksteinchen als ein bestimmter Moment. Es gibt aber natürlich viele Momente, die einen besonders freuen und rühren, wie z.B. die Musical- oder Theateraufführungen und insbesondere die Abiturfeierlichkeiten jedes Jahr im März, wenn ein ganzer Jahrgang sein Ziel erreicht hat und das SMG verlässt, um ins wahre Leben zu starten. Der sicherlich schlimmste Moment in meiner Amtszeit war der Unfalltod unseres Schülers Florens im Februar 2020. Als Schulleiter auf die Beerdigung eines Schülers gehen zu müssen, ist ganz furchtbar.

 

 

SZ: Gab es einen bestimmten Moment, der Ihnen gezeigt hat, wie wichtig Ihre Arbeit als Direktor ist?

 

HF: Das Amt des Schulleiters ist per se wichtig und das ist, so habe ich den Eindruck, auch Konsens bei allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft. Zugleich versuche ich aber, mich nicht zu wichtig zu nehmen. Ich weiß, dass die Schule – wenn ich z.B. einmal über längere Zeit krank wäre – die Zeit meiner Absenz gut überstehen würde, da die Kolleginnen und Kollegen und insbesondere auch das Schulleitungsteam sehr selbstständig und autonom arbeiten.

Wenn man mich jetzt fragen würde, in welchem Moment ich merke, dass ich eine sinnvolle, schöne und wirksame Arbeit habe, dann würde ich sagen, sind es die mündlichen Abiturprüfungen und Krisen sowie Konflikte. Im Mündlichen Abitur bitte ich die MSS-Leitung, dass der Prüfungsplan so erstellt wird, dass ich an möglichst allen mündlichen Prüfungen der Schülerinnen und Schüler teilnehmen kann, die besonders gefährdet sind, damit ich in der finalen Entscheidung, ob eine Schülerin oder ein Schüler das Abitur besteht, involviert bin.  

Bei Krisen und Konflikten bin ich dann beteiligt, um ggf. eine finale Entscheidung zu treffen. Hierbei ist es mir stets ein zentrales Anliegen, dass alle Beteiligte ausreichend gehört werden und es nach Möglichkeit zu einem Kompromiss oder einer Einigung kommt, mit der alle leben können. Immer dann, wenn es Menschen nicht gut geht und es auf anderen Ebenen nicht gelöst werden kann, sehe ich mich qua Amt in der Pflicht. Mein Wunsch ist es, dass es allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft möglichst gut geht und wir hierfür gesunde Rahmenbedingungen schaffen.

 

 

SZ: Wie sind Sie mit Rückschlägen oder Kritik umgegangen?

 

HF: Kritik tut per se erstmal nicht gut, das ist menschlich. Kritik sollte man aber dann umwandeln in eine Hilfe, anders zu entscheiden oder anders vorzugehen. Richtige tiefe Rückschläge hatte ich zum Glück nicht. Ich finde, dass Kritik und eine Feedbackkultur an manchen Stellen noch etwas mehr werden könnte, denn in dem Moment, in dem die Kritik geäußert wird, kann ich auch etwas dazu sagen. Ich nehme Kritik hier am SMG grundsätzlich sehr konstruktiv und fair wahr und freue mich, wenn man mit mir statt über mich spricht.

Deswegen hoffe ich, dass ich den Eindruck vermittele, dass ich angebrachte Kritik ernst nehme und reflektiere und auch versuche, wenn möglich, die Impulse in mein zukünftiges Handeln einzubeziehen.

Rückmeldung der Schülerinnen und Schüler erhalte ich in meinem Austausch mit der SV und durch die KSV. Feedback der Elternschaft erreicht mich über den Schulelternbeirat. Das Kollegium habe ich, als ich im Oktober 2019 ans SMG kam, befragt nach Wünschen, nach Ängsten und nach Dingen, die anders werden sollen bzw. die so bleiben sollen, wie sie sind. Dieses Schulleiterfeedback wiederhole ich jedes Jahr im Herbst und somit erhalte ich jährlich digital anonymes Feedback von meinen Kolleginnen und Kollegen.

 

 

SZ: Welche Personen sind für Sie überlebenswichtig in Ihrem beruflichen Alltag?

 

HF: Wichtig sind am SMG zunächst einmal alle Personen, denn jede einzelne Person trägt zum Gelingen der Schule bei. Natürlich sind die Personen, mit denen ich ganz eng arbeite für mich besonders wichtig wie z.B. Frau Trüby und Frau Wilhelmi, die im Vorzimmer alles, was eingeht, kanalisieren und strukturieren. Und dann ist natürlich auch Herr Dickert, der als ständiger stellvertretender Schulleiter in alles miteinbezogen ist, eine ganz wichtige Bezugsperson für mich. Bei unterschiedlichen fachlichen und pädagogischen Fragen sind unterschiedliche Personen wichtig. Mal sind die Hausmeister gefragt, mal die MSS-Leitung, mal ein bestimmter Fachkollege, mal die Schulsozialarbeit etc.

 

 

SZ: Was ist der größte Unterschied zwischen dem Beruf als Lehrer und dem Beruf als Direktor?

 

HF: Streng genommen sind das zwei ganz verschiedene Berufe, wofür es vielleicht sogar verschiedene Studiengänge geben sollte. Beim Lehramt-Studium stehen die Kompetenzen in einzelnen Unterrichtsfächern und pädagogische Fragen im Zentrum; man lernt hier all das nicht, was man als Schulleiter braucht. Für diese Kompetenzen gibt es berufsbegleitend in Rheinland-Pfalz das Zentrum für Schulleitung, das den Auftrag hat, landesweit Schulleitungsmitglieder aus- und fortzubilden. Außerdem wird man in der Regel als Lehrer nicht sofort Schulleiter, sondern durchläuft verschiedene Ämter in der erweiterten Schulleitung, bei denen man viel Erfahrung und Expertise aufbauen kann.

Aktuell bin ich natürlich viel weniger mit Unterrichtsvorbereitung und -durchführung und Korrekturen beschäftigt, dafür aber ständig auf Abruf und in der Pflicht, „den Laden am Laufen zu halten“. Hinzu kommen natürlich diverse Abendtermine, bei denen ich die Schule nach außen vertrete, sowie die Gremienarbeit mit Sitzungen des Schulelternbeirates, des Schulausschusses und des Fördervereins.

Die Gemeinsamkeit der beiden Berufe ist aber, dass man jeweils viel mit Menschen gemeinsam an Themen arbeitet, was ich als sehr bereichernd empfinde.  

 

 

SZ: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft am SMG?

 

HF: Ich würde gern alles Gute bewahren oder noch weiter vorantreiben, wie zum Beispiel die IT-Grundausstattung, die sich in den letzten 4 Jahren bereits stark weiterentwickelt hat. Unser großes Schulentwicklungsprojekt Pilotschule des Landkreises für offenes Lernen in erweiterten Lernräumen ist noch lange nicht abgeschlossen. Das Orientierungsstufenhaus ist soweit nach unseren Vorstellungen umgebaut. Im laufenden Jahr 2024 sollen die Bauarbeiten für den Jahrgang 7 beginnen. Danach werden wir die Jahrgänge 8-10 in den Fokus nehmen.

Grundsätzlich ist es mir wichtig, in allen Bereichen auf die Impulse zu achten, die in der Schulgemeinschaft vorhanden sind, und stets zu schauen, was eine zukunftsorientierte Schule braucht, um nicht im Ist-Zustand zu verharren. Die Schule sollte den Entwicklungen der Zukunft nachkommen, ohne in die Falle zu tappen, direkt auf jeden Zug aufzuspringen. Bei einer immer komplexer werdenden Welt gibt es keine einfachen Antworten mehr, und deswegen sollte man gemeinsam als Schulgemeinschaft entscheiden, welche Prozesse man neu initiiert, welche man weiterverfolgt und welche ggf. beendet werden. Es wird auf jeden Fall weiterhin spannend bleiben …

 

SZ: Das war’s schon mit unserem Interview. Vielen Dank für ihre Zeit und Mühe!

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