• Schülerzeitung

Serien-Guide: „Violet Evergarden“

Artikel von unserer Autorin Helene Schultz


  • FSK 16 (Ich denke, man kann ihn auch früher schauen, und es sind definitiv nicht alle Episoden mit dieser FSK. Es dreht sich hautsächlich um die Szenen im Krieg, da diese doch recht blutig sind und teilweise Gliedmaßen fehlen.)

  • eine Staffel mit 13 Folgen á 25 Minuten

  • zusätzlich: eine „Special Episode“ (34 Minuten, FSK 6) und zwei Filme (Violet Evergarden: The Movie; VE und das Band der Freundschaft)

  • Genre: Anime, Fantasy Drama (Romance)

  • Wo? - Netflix


Die Handlung:

Der Anime handelt von der jungen Frau Violet Everarden, einer ehemaligen Soldatin. Diese soll nach Ende des Krieges wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden. Deshalb fängt sie als Akora (Autonome Korrespondenz-Assistentin, ähnlich dem Ghostwriter) an. Doch neben ihren Armprothesen macht ihr auch vorerst das Verstehen von Gefühlen Probleme. Aus diesem Grund wird sie teilweise als eine Maschine bezeichnet. Die meisten Episoden haben eine eigne kurze unabhängige Geschichte, die nur von der Rahmenhandlung und Violet Evergarden umschlossen werden. Dabei sind die meisten Episoden so aufgebaut, dass Violet zu einem Kunden reist, der einen Brief von ihr geschrieben haben möchte. Dabei beschäftigen sich die Geschichten mit Liebespaaren, dem Verlust nahestehender Personen oder Ähnlichem. Die Rahmenbehandlung dreht sich um den Sinn des Lebens, Auswirkungen von Krieg und die Suche nach der Bedeutung der Worte „Ich liebe dich.“, die Violet sucht, weil ihre einzige Bezugsperson, der Major Gilbert, sie vor seinem Verschwinden zu ihr sagte.


Die Bewertung: Handlung


Die Handlung ist meistens extrem emotional und teilweise etwas melodramatisch und durch die Themen auch teilweise unvermeidbar kitschig. Trotzdem hat der Anime mich mehrfach zu Tränen rühren können und ich reagiere normalerweise nur sehr selten so emotional auf Serien. Meiner Meinung nach sind die besten Episoden die bereits angesprochenen recht unabhängigen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei Episode 7, in der es um einen Autor mit Schreibblockade und seine tragische Vergangenheit sowie die Verarbeitung von Trauer geht. Dabei schwankt die Qualität dieser Geschichten auch. Die ersten drei Folgen sind noch etwas anders, denn sie führen erst in die Handlung ein, deswegen ist es zu empfehlen, mindestens die ersten vier Folgen zu schauen, um ein Bild von der Serie zu bekommen. Die Rahmenhandlung verbindet die Episoden durch Violet, die immer wieder nach der Bedeutung von „Ich liebe dich“ fragt und sucht, ihre Charakterentwicklung und die immer wiederkehrenden Flashbacks zum Krieg und zu Gilbert, an dessen Tod sie nicht glauben mag. Es gibt in der Serie nicht wirklich das Böse als Endgegner, es gibt zwar schon recht gemeine Charaktere, aber grundsätzlich beschäftigt sich der Anime mehr mit Violets Suche nach sich selbst und ihrer Traumabewältigung nach dem Krieg. Wobei der Krieg noch am ehesten als das Böse gilt, denn es geht immer wieder um dessen Brutalität und Auswirkung auf die Menschen, sei es der Verlust liebster Menschen oder Ähnliches.


9/10


Die Bewertung - Charaktere


Die Protagonistin und einzige wirklich in Erinnerung bleibende Person ist Violet Evergarden. Am Anfang hatte ich Probleme, mit ihr mitzufühlen, weil sie eigentlich nie Gefühle zeigte, sondern Befehle ausführte, doch sie macht eine steile Charakterentwicklung durch. Insgesamt ist sie ein grandioser Charakter, unglaublich interessant und nachvollziehbar. Die Art, wie sie mit ihren Mitmenschen umgeht, ist z.B. sehr spannend. Wenn sie von Gilbert redet oder ihr eine Träne über die Wange rollt, hat mich das extrem mitgenommen. Die anderen immer wiederkehrenden Charaktere dagegen sind deutlich weniger interessant und sind mir nur wenig in Erinnerung geblieben, auch entwickeln sie sich nicht wirklich weiter. Es gibt den charmanten, ungehobelten und liebenswürdigen Benedikt - den Briefträger. Den Chef der Poststelle Claudia Hodgins, der Violet einstellt und wie ein Mentor fungiert. Auch Catteleya, eine andere Akora, unterstützt Violet am Anfang sehr. Es treten noch einige andere Akora auf, die unterschiedlich gegenüber ihr eingestellt sind. Teilweise beneiden sie Violett um ihr Können oder verstehen sie nicht. Neben diesen Personen, die doch allesamt recht positiv sind, gibt es noch Gilberts Bruder Friedbert, der Violett nur als Waffe im Krieg schätzt und nicht als Menschen. Er war von Gilberts Zuneigung zu Violet abgeneigt, da er sie als Kriegswaffe sieht. Über Gilbert erfährt man in der Serie nur durch die Flashbacks und Erzählung etwas. Er scheint sich viel um Violet gekümmert zu haben und ihr das erste Mal das Gefühl gegeben zu haben, dass sie mehr als eine Waffe im Krieg ist. Die Charaktere, die nur einmal in ihrer eignen Episode auftauchen, sind meisten sehr nachvollziehbar und erfüllen ihren Zweck. Insgesamt finde ich es nicht störend, dass es mit Violet nur eine Hauptperson gibt, schließlich heißt der Anime so, doch manchmal hätte ich mir gewünscht, dass andere Charaktere genauso interessant wie sie gestaltet worden wären.


8/10


Die Bewertung - Bild


Der Anime ist wunderschön. Ich liebe den Stil. Er ist extrem detailgetreu und wirklich großartig animiert. Sein sehr feiner Stil unterstützt häufig die Story, da er Emotionen gut widerspiegelt. Aber auch Hintergründe und Landschaften sind einfach schön anzuschauen. Das alles hat mich in die Welt hineingezogen und ich habe mein Zimmer um mich herum vergessen. Mehr kann ich auch nicht schreiben, ich liebe diesen Stil und die Animation einfach.


10/10


Die Bewertung - Musik


Die Musik ist passend und untermalt besonders die emotionalen Momente sehr gut. Generell ist sie meisten sehr emotional und führt wunderbar in den Anime ein. Natürlich ist es nichts super Wildes, sondern meistens eher ruhig. Besonders Geige und Klavier sind häufig herauszuhören. Ich höre mir den Soundtrack auch manchmal so an, weil er mir gut gefällt, aber mir sind direkt nach dem Schauen nicht besondere Stellen im Kopf geblieben. Es ist ein passender, emotionaler und meistens etwas melancholischer Soundtrack und damit absolut passend für die Serie, aber nicht wirklich etwas Außergewöhnliches.


7/10


Gesamt: (8,5-)9/10

Rechnerisch läge der Anime eher bei 8,5, da ich den Anime aber als Ganzes so sehr schätze, habe ich aufgerundet (und weil ich ihn eventuell absolut liebe). Empfehlen würde ich den Anime allen Menschen, die gerne dramatische und emotionale Serien sehen, aber auch eigentlich allen anderen, da er einfach sehr berührend ist. Violet Evergarden ist auch etwas für Leute, die eigentlich keine Anime schauen, denn er erfüllt nicht das Anime-Klischee der totalen Übertriebenheit und Aufgeregtheit.

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